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substanzen / psychedelika / phenethylamine / 2cb

2C-B

4-Brom-2,5-dimethoxyphenethylamin · C₁₀H₁₄BrNO₂
Psychedelikum Entwurf · ungeprüft

Teilagonist am 5‑HT2A‑Rezeptor wie die klassischen Psychedelika, aber ein Phenethylamin — chemisch näher am Meskalin als am Psilocybin. Wirkt in Milligrammmengen, und die Spanne zwischen leicht und stark ist schmal.

Was als 2C-B verkauft wird, ist oft kein 2C-B

Zwei Verwechslungen sind belegt und unterschiedlich gefährlich. Erstens NBOMe-Verbindungen wie 25B-NBOMe: sie werden als 2C-B ausgegeben, wirken schon im Mikrogrammbereich und haben zu Todesfällen geführt — eine als 2C-B dosierte Menge wäre eine massive Überdosis. NBOMe wirkt über die Mundschleimhaut, 2C-B praktisch nicht; ein Löschblatt, das „2C-B“ heißen soll, ist deshalb ein Warnzeichen. Zweitens das rosa Pulver namens „tusi“ oder „pink cocaine“, das den Namen trägt und laut Analysen meist Ketamin, MDMA und Koffein enthält. Beide Fälle lassen sich am Aussehen nicht erkennen.

Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. In Deutschland und Österreich unterliegt 2C-B dem Betäubungsmittel- bzw. Suchtmittelrecht. Mengen gelten für gesunde Erwachsene ohne Vormedikation und ohne Toleranz.

Wann davon abzuraten ist

Abraten

Psychose, Schizophrenie oder bipolare Störung in der eigenen oder familiären Vorgeschichte. Ebenso jede laufende Einnahme von MAO-Hemmern — bei Phenethylaminen ist diese Kombination nicht nur verstärkend, sondern gefährlich.

Vorsicht

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck. 2C-B verengt die Gefäße deutlicher als die klassischen Tryptamine, die Kreislaufbelastung ist hier ein eigenes Thema und keine Fußnote. Ebenso: Schwangerschaft, akute psychische Belastung, allein oder ohne nüchterne Begleitperson.

Wirkung

körperlich und kognitiv
Körperlich
steigt
Magen und Darm

Übelkeit, Blähungen und Krämpfe in der Anflutung sind häufig und für die Substanz charakteristisch. Auf vollen Magen ausgeprägter.

steigt
Muskelanspannung

Zittern und Verspannung, vor allem in Kiefer, Nacken und Beinen.

steigt
Gefäßverengung

Kalte Hände und Füße. Zusammen mit erhöhtem Blutdruck der Grund, warum Herz-Kreislauf-Erkrankungen hier schwerer wiegen als bei Psilocybin.

steigt
Herzfrequenz und Blutdruck

Deutlicher als bei den klassischen Tryptaminen. Bei zusätzlichen Stimulanzien addiert sich das.

steigt
Pupillen

Weit, über die gesamte Wirkdauer.

sinkt
Koordination

Genug, um Treppen, Straßen und Küchen zu einem realen Risiko zu machen.

Kognitiv
steigt
Wahrnehmung

Stark von der Menge abhängig: unten Farbverstärkung und Bewegung an den Rändern, oben ausgeprägte geometrische Muster mit offenen wie geschlossenen Augen.

steigt
Antrieb

Anders als Psilocybin körperlich anregend. Stillsitzen fällt vielen schwer — was die Fehleinschätzung begünstigt, man sei noch nüchtern genug für irgendetwas.

steigt
Gefühlsintensität

In beide Richtungen. Was schon da war, wird größer.

in beide Richtungen
Zeitgefühl

Gedehnt. Die Einschätzung, wie lange etwas schon dauert, ist unbrauchbar — und genau sie steht hinter dem Nachlegen.

sinkt
Urteilsvermögen

Vor allem darüber, was gerade sicher ist.

Zwischen leicht und stark liegen wenige Milligramm, und mit der Menge ändert sich nicht nur die Stärke, sondern der Charakter: unten eher anregend und körperbetont, oben deutlich psychedelisch. Das ist der Grund, warum die Waage hier mehr entscheidet als bei den meisten anderen Substanzen dieser Klasse.

Dosierung

oral · ohne toleranz
Stufe 2C-B Erwartbar
Schwelle2–5 mgkaum mehr als Anregung, leichte Farbverstärkung
Leicht5–12 mganregend, körperbetont, wenig visuelle Veränderung
Normal12–20 mgdeutlich psychedelisch, Muster mit offenen Augen
Stark20–30 mgschwer steuerbar, ausgeprägte Körperwirkung
Sehr stark≥ 30 mgnicht ohne erfahrene Begleitung

Tabelle seitlich verschiebbar →

!

Nasal ist nicht dieselbe Substanz mit anderem Weg. Die wirksame Menge liegt dort bei einem Bruchteil, die Anflutung ist steil und der Brennschmerz erheblich — von Konsumierenden regelmäßig als das Unangenehmste an der Substanz beschrieben. Die schmale Spanne zwischen leicht und stark wird dadurch noch schmaler. Wie sich kleine Mengen überhaupt verlässlich teilen lassen, steht unter Abmessen.

Wirkdauer

Anflutung
30–90 min
Peak
2–3 h
Gesamt
4–6 h
Nachwirkung
1–3 h
Anflutung 1.5 h Peak 3 h Einnahme 2.3 h 4.5 h 6.8 h 9 h

Der zeitliche Verlauf, nicht die Stärke: die Höhe ist der Anteil am eigenen Höhepunkt und hat keine Einheit. Sie stammt aus denselben vier Werten wie die Tabelle darüber — die obere Grenze jeder Spanne, also der längere der beiden Verläufe.

Der Wirkbeginn ist für ein Psychedelikum langsam — bis zu anderthalb Stunden. Nachlegen in dieser Zeit ist der häufigste Weg in eine ungewollt hohe Dosis, und bei einer Substanz, deren Spanne zwischen leicht und stark zehn Milligramm beträgt, fällt das stärker ins Gewicht als anderswo.

Pharmakologie

was im Körper geschieht
Angriffspunkt

Teilagonist am Serotoninrezeptor 5-HT2A, dem gemeinsamen Angriffspunkt der klassischen Psychedelika. Anders als Psilocybin und LSD ist 2C-B kein Tryptamin, sondern ein Phenethylamin und damit chemisch mit Meskalin und Amphetamin verwandt. Daher der anregende, körperbetonte Anteil der Wirkung — und die Gefäßverengung.

Aufnahme

Oral, mit einem für Psychedelika langsamen Wirkbeginn von 30 bis 90 Minuten. Auf vollen Magen später und mit stärkerer Übelkeit. Über die Mundschleimhaut wird 2C-B praktisch nicht aufgenommen — was es von NBOMe unterscheidet und zugleich zur wichtigsten Unterscheidungshilfe macht.

Warum die Waage hier entscheidet

Die Spanne zwischen einer leichten und einer starken Menge liegt bei rund zehn Milligramm. Haushalts- und Feinwaagen aus dem Küchenbedarf lösen in diesem Bereich nicht verlässlich auf, und Pulver lässt sich nicht nach Augenmaß teilen. Wer eine Menge nicht wiegen kann, kennt sie nicht.

Abbau

Überwiegend über Monoaminoxidase und Leberenzyme. Die Halbwertszeit ist beim Menschen nicht sauber bestimmt; die Wirkdauer von vier bis sechs Stunden ist der praktisch belastbarere Anhaltspunkt.

Bei MAO-Hemmern verhalten sich Phenethylamine anders als Tryptamine: Während die Kombination mit Psilocybin vor allem verstärkt und verlängert, kann sie hier zu Blutdruckkrisen führen. Wer MAO-Hemmer nimmt — auch pflanzliche oder als Antibiotikum verordnete —, hat es mit einer anderen Risikoklasse zu tun als beim Rest dieser Substanzgruppe.

Wechselwirkungen

6 erfasst
Gefährlich

Bei Phenethylaminen nicht bloß verstärkend, sondern gefährlich: Blutdruckkrisen sind beschrieben. Betrifft auch pflanzliche MAO-Hemmer und einzelne Antibiotika. Nicht kombinieren. Zur Kombination →

Gefährlich

Aus Fallberichten sind Krampfanfälle in Kombination mit Psychedelika beschrieben. Gilt als eine der gefährlichsten Kombinationen dieser Klasse. Zur Kombination →

Gefährlich

Senkt die Krampfschwelle; in Kombination steigt das Risiko eines Anfalls. Zur Kombination →

Stimulanzien
Vorsicht

Amphetamin, Kokain und ähnliche Stoffe addieren Gefäßverengung und Kreislaufbelastung zu einer Wirkung, die beides ohnehin schon mitbringt.

Cannabis
Vorsicht

Verstärkt die Wirkung unvorhersehbar und kann sie in Richtung Angst kippen lassen. Eine der häufigsten Ursachen für schwierige Verläufe.

SSRI
Vorsicht

Dämpft die Wirkung oft deutlich. Das Risiko liegt nicht in der Kombination selbst, sondern im Nachlegen, das daraus folgt.

Was darüber hinaus gilt

Drugchecking — was die Verfahren können

Ein Reagenztest sagt, was drin ist. Er sagt nicht, wie viel — und er schließt nichts aus. Der Unterschied zwischen den Verfahren ist genau der Unterschied, der zählt.

Set und Setting — warum die Umstände mitwirken

Bei manchen Klassen verschieben die Umstände den Verlauf stärker als die Menge. Bei anderen fast gar nicht. Der Unterschied ist praktisch nutzbar.

Wenn es schwierig wird — was hilft

Angst, Kontrollverlust, das Gefühl, es hört nie auf. In aller Regel vorübergehend und ohne Rettungsdienst zu bewältigen — solange man weiß, wo die Grenze zum Notfall liegt.

Wenn es schwierig wird

Angst und Kontrollverlust sind unangenehm, aber in aller Regel vorübergehend. Was hilft:

01

Umgebung wechseln — Licht, Geräusche, Menschenmenge reduzieren. Frische Luft.

02

Ruhig bleiben und dabeibleiben. Eine nüchterne Person, die nicht diskutiert, sondern begleitet, ist die wirksamste Hilfe.

03

Daran erinnern, dass es aufhört, und woran es liegt. Die Zeitwahrnehmung ist verzerrt.

04

Ärztliche Hilfe holen bei Krampfanfall, Bewusstlosigkeit, sehr hohem Puls, Brustschmerz, starker Überhitzung oder wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung besteht. Sag dem Rettungsdienst, was genommen wurde — das ist für die Behandlung entscheidend und nicht strafbar.

Toleranz

Aufbau
sofort

Schon eine einzelne Einnahme senkt die Wirkung der nächsten Tage erheblich. Kreuztoleranz zu anderen Psychedelika.

Rückbildung
1 – 2 Wochen

Das Ausgleichen der Toleranz durch eine höhere Menge ist der übliche Fehler — bei dieser Substanz skalieren Kreislaufbelastung und Körperwirkung besonders deutlich mit.

Woher es kommt

Alexander Shulgin 1925–2014
Chemiker · Berkeley, Kalifornien

Stellte 2C-B 1974 erstmals her und beschrieb es später in „PiHKAL“ zusammen mit seiner Frau Ann. Er hielt jahrelang eine Sondergenehmigung der US-Drogenbehörde für die Arbeit mit verbotenen Stoffen — bis sie ihm 1994 entzogen wurde.

1974
Alexander Shulgin stellt es her

In seinem Labor hinter dem Wohnhaus in Kalifornien. Es ist eine von mehreren hundert Substanzen, die er selbst synthetisiert und an sich getestet hat.

1980er
Legal im Handel, auch in der Therapie

Nach dem Verbot von MDMA wurde 2C-B eine Zeit lang als Ersatz in der Psychotherapie eingesetzt und in Sexshops unter Namen wie „Nexus“ oder „Erox“ verkauft.

Mitte der 1990er
Verbot in den USA und Europa

Damit endete der legale Vertrieb. Die Substanz verschwand damit nicht, sondern wechselte den Markt.

ab etwa 2018
Der Name löst sich vom Stoff

In Kolumbien taucht rosa Pulver unter dem Namen „tusi“ oder „tucibi“ auf — die spanische Aussprache von 2C-B. Analysen finden darin meist Ketamin, MDMA und Koffein.

Warum das hier steht: Der Name hat die Substanz überlebt. Wer heute „Tusi“ oder „pink cocaine“ angeboten bekommt, bekommt nach allem, was Drugchecking-Stellen berichten, mit hoher Wahrscheinlichkeit kein 2C-B — sondern eine Mischung, deren Bestandteile andere Regeln haben.

Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.

Struktur

Strukturformel von 4-Brom-2,5-dimethoxyphenethylamin NH₂ O O Br
C₁₀H₁₄BrNO₂ 4-Brom-2,5-dimethoxyphenethylamin

Belege

Diese Seite ist ein Entwurf und noch nicht belegt
[1][BELEG EINSETZEN — Pharmakologie, Rezeptorbindung und Wirkdauer]
[2][BELEG EINSETZEN — Drugchecking-Auswertungen zu „tusi“ und zur Zusammensetzung rosa Pulver]
[3][BELEG EINSETZEN — NBOMe-Verwechslung, Fallberichte und Todesfälle]
[4][BELEG EINSETZEN — Kreislaufwirkung und Gefäßverengung bei 2C-x-Verbindungen]
[5][BELEG EINSETZEN — Dosisbereiche, Shulgin und spätere Erhebungen]
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