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144 · 112

Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Atemnot — sofort anrufen.

substanzen / depressiva / alkohol

Alkohol

Ethanol · C₂H₆O
Depressivum Entwurf · ungeprüft

Verstärkt die Wirkung des dämpfenden Botenstoffs GABA und hemmt zugleich den erregenden Glutamat‑Signalweg. Beides zusammen erklärt, warum Wirkung und Beeinträchtigung so weit auseinanderfallen können.

Der Entzug kann tödlich sein — anders als bei fast allen anderen Substanzen

Bei körperlicher Abhängigkeit ist das abrupte Absetzen lebensgefährlich: Krampfanfälle und Delirium tremens haben unbehandelt eine erhebliche Sterblichkeit. Wer täglich trinkt, hört nicht ohne ärztliche Begleitung auf. Das ist das Gegenteil der üblichen Regel und der wichtigste Satz auf dieser Seite.

Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. Alkohol ist legal — das sagt nichts über sein Risikoprofil.

Wann davon abzuraten ist

Abraten

Schwangerschaft (keine bekannte unbedenkliche Menge), Lebererkrankung, Bauchspeicheldrüsenentzündung, gleichzeitige Einnahme dämpfender Medikamente.

Vorsicht

Einnahme von Metronidazol oder ähnlichen Wirkstoffen (heftige Unverträglichkeitsreaktion), Epilepsie, bekannte Suchterkrankung in der Familie.

Wirkung

körperlich und kognitiv
Körperlich
sinkt
Reaktionszeit und Koordination

Messbar ab etwa 0,3 ‰ — lange bevor es sich so anfühlt.

steigt
Wärmegefühl

Die Haut wird stärker durchblutet, und dabei verliert der Körper Wärme. Erfrierungen bei Betrunkenen gehen genau darauf zurück.

steigt
Harnausscheidung

Alkohol hemmt das Hormon, das Wasser zurückhält. Der Flüssigkeitsverlust ist ein Teil des Katers.

sinkt
Schlaftiefe

Das Einschlafen geht schneller, der Traumschlaf in der zweiten Nachthälfte fehlt. Deshalb ist der Schlaf nach Alkohol kürzer erholsam, nicht länger.

sinkt
Blutzucker

Die Leber ist mit dem Abbau beschäftigt und stellt weniger Zucker bereit. Nüchtern und bei Diabetes ist das gefährlich.

sinkt
Atmung

Erst bei hohen Mengen — und dort ist es die eigentliche Todesursache, zusammen mit Erbrechen im Schlaf.

Kognitiv
sinkt
Hemmung

Der früheste Effekt und der am meisten unterschätzte.

steigt
Selbsteinschätzung der Fahrtüchtigkeit

Sie steigt, während die Fahrtüchtigkeit sinkt. Diese Schere ist der Grund, warum es Grenzwerte gibt und keine Selbsteinschätzung.

sinkt
Erinnerungsbildung

Ab etwa 1,5 ‰ kann das Gehirn keine neuen Erinnerungen mehr anlegen — der Filmriss. Die Person wirkt dabei ansprechbar und handlungsfähig.

sinkt
Aggressionsschwelle

Nicht bei allen und nicht immer. Situation und Erwartung entscheiden hier stärker mit als die Menge.

Die erste Zeile links und die zweite rechts erklären zusammen die Promillegrenzen: die Fähigkeit sinkt früher als das Gefühl, sie zu verlieren.

Dosierung

oral · standardglas ≈ 10–12 g reiner alkohol
Stufe Reiner Alkohol Blutalkohol* Erwartbar
Schwelle10–20 g0,2–0,3 ‰leichte Entspannung
Leicht20–40 g0,3–0,6 ‰gelöst, Reaktionszeit messbar schlechter
Normal40–70 g0,6–1,0 ‰Enthemmung, Koordination deutlich gestört
Stark70–110 g1,0–1,6 ‰Sprache, Gang, Urteil erkennbar beeinträchtigt
Sehr stark≥ 110 g≥ 1,6 ‰Erbrechen, Erinnerungslücken, Vergiftungsgefahr

Tabelle seitlich verschiebbar →

!

* Die Promille-Werte sind grobe Anhaltspunkte für eine 70‑kg‑Person und hängen stark von Geschlecht, Körperbau, Mageninhalt und Trinkgeschwindigkeit ab. Sie taugen zum Einordnen, nicht zum Rechnen — und schon gar nicht zur Frage, ob man fahren darf.

Wirkdauer

Anflutung
10–30 min
Peak
30–90 min
Abbau
≈ 0,1–0,15 ‰/h
Nachwirkung
6–24 h
Anflutung 30 min Einnahme 36 min 72 min 1.8 h 2.4 h

Der zeitliche Verlauf, nicht die Stärke: die Höhe ist der Anteil am eigenen Höhepunkt und hat keine Einheit. Sie stammt aus denselben vier Werten wie die Tabelle darüber — die obere Grenze jeder Spanne, also der längere der beiden Verläufe. Die Nachwirkung reicht über die Achse hinaus, bis 1.1 d nach der Einnahme.

Der Abbau läuft mit fester Geschwindigkeit und lässt sich durch nichts beschleunigen. Kaffee, kalte Duschen, Bewegung, fettes Essen — nichts davon senkt den Blutalkohol. Sie machen wacher, nicht nüchterner, und genau das ist die Gefahr: die Beeinträchtigung bleibt, die Selbsteinschätzung wird besser.

Pharmakologie

was im Körper geschieht
Angriffspunkt

Kein einzelner Rezeptor, sondern zwei Systeme zugleich: Alkohol verstärkt die hemmende Wirkung von GABA-A und blockiert den erregenden NMDA-Rezeptor. Gedämpft wird also von beiden Seiten. Daraus folgt die Kreuztoleranz zu Benzodiazepinen — sie greifen am selben GABA-Rezeptor an — und daraus folgt der Krampfanfall im Entzug: fällt der Alkohol weg, bleibt ein über Monate hochgeregeltes erregendes System ohne Gegengewicht.

Aufnahme

Aus Magen und Dünndarm, bei nüchternem Magen deutlich schneller. Nahrung verzögert nicht die Menge, die ankommt, sondern nur den Zeitpunkt — die Rechnung geht trotzdem auf.

Abbau

Nullter Ordnung, und das ist die wichtigste Zahl auf dieser Seite: der Körper baut pro Stunde eine feste Menge ab, unabhängig davon, wie viel da ist. Etwa 0,1 bis 0,15 Promille je Stunde. Kaffee, kalte Duschen, Bewegung und frische Luft ändern daran nichts — sie machen wacher, nicht nüchterner. Der Weg führt über Alkoholdehydrogenase zu Acetaldehyd und von dort über Aldehyddehydrogenase zu Essigsäure.

Was das Gift ist

Nicht der Alkohol selbst, sondern das Zwischenprodukt Acetaldehyd. Es ist deutlich giftiger und als krebserzeugend eingestuft. Der zweite Schritt — sein Abbau — ist deshalb der, auf den es ankommt.

Etwa ein Drittel bis die Hälfte der ostasiatischen Bevölkerung trägt eine langsamere Variante des zweiten Enzyms. Acetaldehyd staut sich an, das Gesicht rötet sich, Herzrasen und Übelkeit folgen. Was wie eine harmlose Empfindlichkeit aussieht, ist ein deutlich erhöhtes Risiko für Speiseröhrenkrebs bei fortgesetztem Konsum — die Röte ist eine Warnung und keine Eigenart.

Wechselwirkungen

5 erfasst
Opioide
Gefährlich

Beide dämpfen die Atmung. Die Kombination ist ein Hauptmechanismus tödlicher Vergiftungen — und sie wirkt verzögert, oft im Schlaf.

Gefährlich

Dieselbe Mechanik: Atemdepression und Bewusstlosigkeit treten bei Mengen auf, die einzeln unauffällig wären. Zur Kombination →

Gefährlich

Sehr enge Sicherheitsspanne, mit Alkohol praktisch keine mehr. Bewusstlosigkeit mit Erbrechen — die häufigste tödliche Konstellation auf Partys. Zur Kombination →

Stimulanzien
Vorsicht

Überdecken die Müdigkeit, nicht die Beeinträchtigung. Man trinkt mehr, weil man weniger merkt.

Cannabis
Vorsicht

Verstärkt sich gegenseitig; Übelkeit und Kreislaufprobleme treten häufiger auf als bei einem der beiden allein.

Was darüber hinaus gilt

Stabile Seitenlage — Schritt für Schritt

Bei jeder bewusstlosen Person, die normal atmet. Sie verhindert genau das, woran in diesem Feld die meisten Menschen sterben: Ersticken am eigenen Erbrochenen.

Wenn es schwierig wird — was hilft

Angst, Kontrollverlust, das Gefühl, es hört nie auf. In aller Regel vorübergehend und ohne Rettungsdienst zu bewältigen — solange man weiß, wo die Grenze zum Notfall liegt.

Toleranz und Kreuztoleranz

Toleranz baut sich ungleichmäßig auf: die erwünschte Wirkung verschwindet schneller als die gefährliche. Und ihr Verlust ist gefährlicher als ihr Aufbau.

Wenn es schwierig wird

Anzeichen einer Alkoholvergiftung und was dann zählt:

01

Nicht ansprechbar, flache oder unregelmäßige Atmung, kalte oder bläuliche Haut, Erbrechen im Liegen — das ist ein Notfall, kein Rausch.

02

Stabile Seitenlage. Die häufigste Todesursache ist nicht die Vergiftung selbst, sondern Ersticken am eigenen Erbrochenen.

03

Dableiben und atmen kontrollieren. Niemanden „ausschlafen lassen“, der nicht ansprechbar ist.

04

Nichts zu trinken einflößen, nicht zum Erbrechen bringen, nicht allein duschen lassen.

Toleranz

Aufbau
Wochen

Die Wirkung lässt nach, die Organbelastung nicht. Steigende Trinkmenge bei gleichbleibendem Effekt ist das erste Warnzeichen.

Rückbildung
ärztlich

Bei körperlicher Abhängigkeit gehört das Absetzen in ärztliche Hand — siehe der Kasten oben. Keine Selbstentgiftung.

Woher es kommt

Niemand hat es erfunden

Die einzige Substanz auf dieser Seite ohne Entdecker. Vergärung passiert von selbst; man musste sie nur bemerken, und das geschah vor der Schrift. Erfunden wurde später nur die Konzentration.

vor 9000 Jahren
Keine Erfindung, ein Fund

Rückstände vergorener Getränke in China und im Nahen Osten sind älter als die Schrift. Vergärung passiert von selbst; man musste sie nur bemerken.

8. Jahrhundert
Die Destillation kommt über die arabische Alchemie

Das Wort Alkohol stammt von al-kuhl. Erst die Destillation macht Konzentrationen möglich, die vorher nicht vorkamen.

1920–1933
Prohibition in den USA

Der Konsum ging zurück, die Todesfälle durch verunreinigten Schnaps stiegen. Das Ergebnis ist bis heute das meistzitierte Argument in der Drogenpolitik — von beiden Seiten.

Warum das hier steht: Alkohol ist die einzige Substanz hier, die niemand erfunden hat und die trotzdem die meisten Todesfälle verursacht. Der Vertrautheitsbonus ist kein pharmakologischer Befund.

Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.

Struktur

Strukturformel von Ethanol OH
C₂H₆O Ethanol

Belege

Diese Seite ist ein Entwurf und noch nicht belegt
[1][BELEG EINSETZEN — WHO, Global status report on alcohol and health]
[2][BELEG EINSETZEN — Leitlinie Alkoholentzugssyndrom]
[3][BELEG EINSETZEN — Pharmakokinetik, Abbaurate und Einflussfaktoren]
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