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substanzen / psychedelika / tryptamine / psilocybin

Psilocybin

4-Phosphoryloxy-N,N-dimethyltryptamin · C₁₂H₁₇N₂O₄P
Psychedelikum Entwurf · ungeprüft

Ein Prodrug: im Körper wird es zu Psilocin umgewandelt, das als partieller Agonist am 5‑HT2A‑Rezeptor wirkt. Es kommt in mehreren Pilzgattungen vor, am bekanntesten Psilocybe.

Das größte Risiko ist die Verwechslung, nicht die Substanz

Tödliche Pilzvergiftungen entstehen fast ausschließlich durch Fehlbestimmung beim Sammeln — etwa Verwechslung mit tödlich giftigen Arten wie dem Gift‑Häubling, der psilocybinhaltigen Arten äußerlich ähnelt. Eine sichere Bestimmung nach Fotos oder App gibt es nicht. Erste Symptome einer Amatoxin‑Vergiftung treten oft erst nach 6 bis 24 Stunden auf, wenn die Leberschädigung bereits läuft.

Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. In Österreich und Deutschland unterliegt Psilocybin dem Suchtmittel- bzw. Betäubungsmittelrecht.

Wann davon abzuraten ist

Abraten

Psychose oder Schizophrenie in der eigenen oder familiären Vorgeschichte, bipolare Störung. Psychedelika können eine Episode auslösen, die nicht mit der Wirkdauer endet.

Vorsicht

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwangerschaft, akute psychische Belastung. Ebenso: allein, in unbekannter Umgebung oder ohne nüchterne Begleitperson.

Wirkung

körperlich und kognitiv
Körperlich
steigt
Übelkeit

In der ersten Stunde häufig, oft mit dem Wirkbeginn zusammenfallend. Bei getrocknetem Pilzmaterial ausgeprägter als bei Extrakten.

steigt
Pupillen

Weit, über die gesamte Wirkdauer. Das zuverlässigste äußere Zeichen.

steigt
Herzfrequenz und Blutdruck

Mild. Bei bestehender Herzerkrankung trotzdem zu bedenken.

in beide Richtungen
Körpertemperatur

Wärme- und Kälteschauer im Wechsel sind typisch und harmlos.

sinkt
Koordination

Genug, um Treppen, Straßen und Küchen zu einem realen Risiko zu machen.

steigt
Reflexe

Gesteigert, teils mit Zittern. Kein Grund zur Sorge, wenn kein Fieber dazukommt.

Kognitiv
steigt
Wahrnehmung

Verstärkt und verändert: Muster, Farben, Bewegung an den Rändern. Mit offenen Augen meist weniger stark als mit geschlossenen.

steigt
Gefühlsintensität

In beide Richtungen. Was schon da war, wird größer — das ist der Grund, warum die Verfassung vorher zählt.

in beide Richtungen
Zeitgefühl

Stark gedehnt. Die Einschätzung, wie lange etwas schon dauert, ist unbrauchbar.

sinkt
Urteilsvermögen

Vor allem darüber, was gerade sicher ist. Deshalb ist die nüchterne Person im Raum keine Formalie.

Die rechte Spalte ist hier die eigentliche. Körperlich passiert wenig, und fast alles, was schwierig wird, ist eine Frage von Umgebung und Erwartung.

Dosierung

oral · ohne toleranz
Stufe Psilocybin Getrocknet* Erwartbar
Schwelle2–4 mg0,2–0,5 gleichte Wahrnehmungsänderung
Leicht4–8 mg0,5–1,5 gFarbverstärkung, gehobene Stimmung
Normal8–20 mg1,5–3 gdeutliche visuelle und emotionale Wirkung
Stark20–35 mg3–5 gIch-Auflösung möglich, schwer steuerbar
Sehr stark≥ 35 mg≥ 5 gnicht ohne erfahrene Begleitung

Tabelle seitlich verschiebbar →

!

Gewicht ist ein schlechter Maßstab. Der Wirkstoffgehalt schwankt zwischen Arten, Chargen und sogar innerhalb eines Fruchtkörpers um ein Mehrfaches; die Grammangaben gelten grob für getrocknete Psilocybe cubensis. Andere Arten können ein Vielfaches enthalten. Wer die Herkunft nicht kennt, kennt die Dosis nicht.

Wirkdauer

Anflutung
20–60 min
Peak
2–3 h
Gesamt
4–6 h
Nachwirkung
2–6 h
Anflutung 60 min Peak 3 h Einnahme 2.4 h 4.8 h 7.2 h 9.6 h

Der zeitliche Verlauf, nicht die Stärke: die Höhe ist der Anteil am eigenen Höhepunkt und hat keine Einheit. Sie stammt aus denselben vier Werten wie die Tabelle darüber — die obere Grenze jeder Spanne, also der längere der beiden Verläufe. Die Nachwirkung reicht über die Achse hinaus, bis 12 h nach der Einnahme.

Nach etwa 45 Minuten ist noch nicht absehbar, wie stark es wird. Nachlegen in dieser Zeit ist der häufigste Weg in eine ungewollt hohe Dosis — die zweite Menge flutet an, wenn die erste erst ihren Peak erreicht.

Pharmakologie

was im Körper geschieht
Angriffspunkt

Psilocybin selbst ist unwirksam — es ist eine Vorstufe. Im Körper wird der Phosphatrest abgespalten, und erst das entstehende Psilocin wirkt: als Teilagonist am Serotoninrezeptor 5-HT2A, vor allem in der Großhirnrinde. Dieser Rezeptor ist der gemeinsame Angriffspunkt praktisch aller klassischen Psychedelika, und die Wirkstärke einer Substanz dieser Gruppe lässt sich weitgehend daran ablesen, wie fest sie dort bindet.

Aufnahme

Oral. Die Abspaltung geschieht rasch in Darmwand und Leber, der Wirkbeginn liegt bei 20 bis 60 Minuten. Auf vollen Magen später und oft mit stärkerer Übelkeit.

Warum die Menge schwankt

Bei getrockneten Pilzen ist nicht die Menge der Substanz die Unbekannte, sondern ihr Anteil im Material: er schwankt zwischen Arten, zwischen Ernten und sogar innerhalb eines Fruchtkörpers erheblich. Eine Gewichtsangabe in Gramm ist deshalb eine viel unschärfere Auskunft als eine Milligrammangabe bei einem Reinstoff.

Abbau

Psilocin wird überwiegend an Glucuronsäure gekoppelt und über die Niere ausgeschieden, ein kleinerer Teil über Monoaminoxidase. Die Halbwertszeit liegt bei zwei bis drei Stunden — die Wirkung ist also weitgehend vorbei, wenn die Substanz es ist.

Die Toleranz baut sich innerhalb eines Tages fast vollständig auf und braucht etwa eine Woche zur Rückbildung. Sie betrifft auch die anderen Substanzen dieser Gruppe — wer heute Psilocybin genommen hat, wird morgen von LSD kaum etwas spüren. Das ist die wirksamste Bremse, die diese Substanzgruppe eingebaut hat, und der Grund, warum tägliche Anwendung praktisch nicht vorkommt.

Wechselwirkungen

5 erfasst
Gefährlich

Aus Fallberichten sind Krampfanfälle beschrieben. Gilt als eine der gefährlichsten Kombinationen mit Psychedelika überhaupt — nicht kombinieren. Zur Kombination →

Gefährlich

Senkt die Krampfschwelle; in Kombination steigt das Risiko eines Anfalls. Betrifft auch andere Wirkstoffe mit dieser Eigenschaft. Zur Kombination →

MAO-Hemmer
Vorsicht

Wirkung wird deutlich verstärkt und verlängert. Eine sonst mittlere Menge kann dadurch im starken Bereich landen.

Cannabis
Vorsicht

Verstärkt die Wirkung unvorhersehbar und kann sie in Richtung Angst kippen lassen. Eine der häufigsten Ursachen für schwierige Verläufe.

SSRI
Vorsicht

Dämpft die Wirkung oft deutlich. Das Risiko liegt nicht in der Kombination selbst, sondern im Nachlegen, das daraus folgt.

Was darüber hinaus gilt

Set und Setting — warum die Umstände mitwirken

Bei manchen Klassen verschieben die Umstände den Verlauf stärker als die Menge. Bei anderen fast gar nicht. Der Unterschied ist praktisch nutzbar.

Microdosing — was belegt ist und was nicht

Sehr kleine, regelmäßige Mengen eines Psychedelikums, unterhalb der spürbaren Schwelle. Weit verbreitet, stark beworben — und die kontrollierten Untersuchungen dazu fallen bisher ernüchternd aus.

Wenn es schwierig wird — was hilft

Angst, Kontrollverlust, das Gefühl, es hört nie auf. In aller Regel vorübergehend und ohne Rettungsdienst zu bewältigen — solange man weiß, wo die Grenze zum Notfall liegt.

Wenn es schwierig wird

Angst und Kontrollverlust sind unangenehm, aber in aller Regel vorübergehend. Was hilft:

01

Umgebung wechseln — Licht, Geräusche, Menschenmenge reduzieren. Frische Luft.

02

Ruhig bleiben und dabeibleiben. Eine nüchterne Person, die nicht diskutiert, sondern begleitet, ist die wirksamste Hilfe.

03

Daran erinnern, dass es aufhört, und woran es liegt. Die Zeitwahrnehmung ist verzerrt.

04

Ärztliche Hilfe holen bei Krampfanfall, Bewusstlosigkeit, sehr hohem Puls, starker Überhitzung oder wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung besteht. Sag dem Rettungsdienst, was genommen wurde — das ist für die Behandlung entscheidend und nicht strafbar.

Toleranz

Aufbau
sofort

Schon eine einzelne Einnahme senkt die Wirkung der nächsten Tage erheblich. Kreuztoleranz zu anderen Psychedelika.

Rückbildung
1 – 2 Wochen

Das Ausgleichen der Toleranz durch eine höhere Menge ist der übliche Fehler — die unerwünschten Wirkungen skalieren mit.

Woher es kommt

Albert Hofmann 1906–2008
Chemiker · Sandoz, Basel

Isolierte und benannte 1958 Psilocybin — derselbe Mann, der fünfzehn Jahre zuvor die Wirkung von LSD entdeckt hatte. Er wurde 102 Jahre alt und hat beide Substanzen bis zuletzt öffentlich verteidigt.

1957
Ein Artikel im Life-Magazin

R. Gordon Wasson beschreibt eine nächtliche Zeremonie in Mexiko mit der Heilerin María Sabina. Der Text macht die Pilze im Westen erst bekannt.

1958
Albert Hofmann isoliert Psilocybin

Bei Sandoz in Basel, aus Psilocybe mexicana — derselbe Chemiker, der fünfzehn Jahre zuvor LSD entdeckt hatte.

ab 2000
Rückkehr in die Forschung

Nach Jahrzehnten Stillstand laufen wieder kontrollierte Studien, vor allem zu Depression und Angst am Lebensende.

Warum das hier steht: María Sabina hat den Ruhm nie gewollt: Nach dem Artikel kamen Fremde in ihr Dorf, sie wurde ausgegrenzt und starb verarmt. Wer über die Wiederentdeckung liest, liest selten diesen Teil.

Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.

Struktur

Strukturformel von 4-Phosphoryloxy-N,N-dimethyltryptamin NH O P O OH OH N
C₁₂H₁₇N₂O₄P 4-Phosphoryloxy-N,N-dimethyltryptamin

Belege

Diese Seite ist ein Entwurf und noch nicht belegt
[1][BELEG EINSETZEN — Pharmakologie und Wirkdauer]
[2][BELEG EINSETZEN — Wirkstoffgehalt und Schwankungsbreite in Pilzmaterial]
[3][BELEG EINSETZEN — Fallberichte Lithium, Krampfanfälle]
[4][BELEG EINSETZEN — Kontraindikation Psychose, Kohortendaten]
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