SSRI
Blockieren den Rücktransport von Serotonin in die Nervenzelle und erhöhen dessen Verfügbarkeit dauerhaft. Die häufigste Vormedikation in diesem Feld — und die einzige, die sich nicht für ein Wochenende pausieren lässt.
Die Halbwertszeit. Sie bestimmt, wie lange nach der letzten Tablette noch etwas da ist. Bei Sertralin ist das gut ein Tag, bei Fluoxetin samt Abbauprodukt bis zu zwei Wochen — eine Pause übers Wochenende ändert dort rechnerisch nichts. Das Abbauenzym. Paroxetin und Fluoxetin blockieren CYP2D6, den Weg, über den unter anderem Tramadol, Codein, Amphetamin und MDMA verarbeitet werden. Sie verändern damit nicht nur die eigene Wirkung, sondern die von anderem mit. Beides steht in der Tabelle unten, weil es sonst nirgends steht.
Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. Diese Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig; nichts hier ersetzt die Entscheidung darüber, ob und wie sie genommen werden.
Wann davon abzuraten ist
Serotoninsyndrom, in Einzelfällen tödlich. Zwischen beiden gehört eine Auswaschzeit — nach Fluoxetin fünf Wochen. Betrifft auch Moclobemid und pflanzliche MAO-Hemmer.
Weder ausschleichend noch abrupt ohne die behandelnde Ärztin. Absetzsymptome und die Rückkehr der Erkrankung sind von außen kaum zu unterscheiden — und die Wochen danach sind die riskantesten.
Die gedämpfte Wirkung von Psychedelika und MDMA ist der Hauptweg in ernste Verläufe: nicht die erste Menge, sondern die dritte.
Johanniskraut, Dextromethorphan in Hustenmitteln, Triptane gegen Migräne, 5-HTP als Nahrungsergänzung — alles serotonerg, alles ohne Rezept zu bekommen.
Wirkung
körperlich und kognitivWas hier steht, gilt für die Gruppe. Zwischen den einzelnen Wirkstoffen sind die Unterschiede erheblich — vor allem beim Schlaf und beim Antrieb.
Dosierung
verschreibungspflichtig · wirkstoffe im vergleichTabelle seitlich verschiebbar →
Näherungswerte für gesunde Erwachsene. Halbwertszeiten schwanken zwischen Personen erheblich und sind bei eingeschränkter Leberfunktion und im Alter länger.
Warum diese Tabelle Halbwertszeiten zeigt und keine Milligramm: die Menge legt die behandelnde Ärztin fest, und sie ist hier nie die Frage. Gefragt wird nach zwei anderen Dingen. Erstens: wie lange nach der letzten Tablette noch etwas da ist — als Faustregel etwa fünf Halbwertszeiten, bei Fluoxetin samt Abbauprodukt also Wochen. Zweitens: ob der Wirkstoff das Enzym CYP2D6 blockiert. Tramadol und Codein werden über dieses Enzym überhaupt erst wirksam und verlieren dann ihre schmerzstillende Wirkung; Amphetamin und MDMA werden umgekehrt langsamer abgebaut und wirken länger und stärker als erwartet. Beide Male ändert das Antidepressivum, was eine andere Substanz tut.
Wirkdauer
Für diese Gruppe gibt es keinen Wirkungsverlauf im Sinn der übrigen Seiten. Was hier zählt, ist keine Kurve über Stunden, sondern ein Spiegel, der über Wochen aufgebaut wird und über Wochen wieder abfällt — genau deshalb lässt er sich nicht für ein Wochenende aussetzen.
Die vierte Zahl ist die, nach der niemand fragt. Absetzsymptome — Schwindel, Reizbarkeit, blitzartige Missempfindungen, oft als „Stromschläge“ beschrieben — beginnen bei den kurz wirksamen Vertretern nach ein bis zwei ausgelassenen Tagen und können Wochen anhalten. Sie werden regelmäßig für die zurückkehrende Erkrankung gehalten, und aus dieser Verwechslung folgen die falschen Schlüsse.
Pharmakologie
was im Körper geschiehtDer Transporter ist binnen Stunden blockiert — die Wirkung setzt nach Wochen ein. Diese Lücke ist der am schlechtesten verstandene Teil der ganzen Gruppe. Erklärt wird sie mit einer langsamen Anpassung der Rezeptoren; abschließend belegt ist das nicht. Wer wissen will, warum es kein Mittel gibt, das dasselbe schneller tut: das ist der Grund.
Wechselwirkungen
9 erfasstSerotoninsyndrom, in Einzelfällen tödlich. Zwischen beiden gehört eine Auswaschzeit — nach Fluoxetin fünf Wochen. Zur Kombination →
Rezeptfrei und deshalb regelmäßig nicht erwähnt. Serotonerg und zugleich abbaubeschleunigend — beides zusammen. Zur Kombination →
Serotoninsyndrom — und viele SSRI blockieren zugleich das Enzym, das Tramadol überhaupt wirksam macht. Zur Kombination →
Dämpft die Wirkung deutlich. Das Risiko liegt im Nachlegen, das daraus folgt — und in der serotonergen Summe.
Dämpft die Wirkung oft deutlich. Das Risiko liegt nicht in der Kombination, sondern im Nachlegen.
Dämpfen die Wirkung oft deutlich. Das Risiko liegt im Nachlegen, das daraus folgt.
Bei den stark CYP2D6-hemmenden Vertretern wird der Abbau gebremst: dieselbe Menge wirkt länger und stärker.
Serotonerge Summe bei ohnehin erhöhter Grundlast, dazu die kardiovaskuläre Belastung.
Die dämpfende Wirkung wird verstärkt und die Urteilsfähigkeit stärker beeinträchtigt als erwartet. Dazu erhöht beides die Blutungsneigung im Magen.
Was darüber hinaus gilt
Was praktisch zu tun ist, wenn beides zusammenkommt — und woran ein Serotoninsyndrom zu erkennen ist. Was die Wirkstoffgruppen pharmakologisch unterscheidet, steht auf der Klassenseite.
Angst, Kontrollverlust, das Gefühl, es hört nie auf. In aller Regel vorübergehend und ohne Rettungsdienst zu bewältigen — solange man weiß, wo die Grenze zum Notfall liegt.
Wenn es schwierig wird
Wenn beides zusammengekommen ist — woran ein Serotoninsyndrom zu erkennen ist und was dann zu tun ist:
Fieber über 38 °C zusammen mit Zittern und Muskelzucken. Das ist die entscheidende Kombination. Dazu gesteigerte Reflexe, Unruhe, Herzrasen, Durchfall. Bei diesen Zeichen: 144 (AT) oder 112 (EU).
Kühlen und nicht allein lassen. Ein Serotoninsyndrom entwickelt sich über Stunden und wird schlimmer, nicht besser.
Dem Rettungsdienst beides nennen — das Medikament mit Namen und die Substanz. Von einer reinen Überhitzung ist es ohne diese Auskunft nicht zu unterscheiden, und die Behandlung ist eine andere.
„Es wirkt nicht“ ist kein Grund zum Nachlegen, sondern der erwartbare Befund. Die serotonerge Belastung ist trotzdem da — sie ist nur nicht zu spüren.
Danach mit der behandelnden Ärztin sprechen, auch wenn es unangenehm ist. Es gibt keine Behandlung, der diese Auskunft schaden würde.
Toleranz
Die Wirkung lässt nicht nach, weil sich eine Toleranz aufbaut. Was vorkommt, ist etwas anderes: ein Nachlassen der Wirksamkeit nach Monaten bis Jahren, für das es mehrere Erklärungen und keine gesicherte gibt. Ein Grund, die Menge selbst zu erhöhen, ist es nicht.
Der Körper passt sich an die dauerhaft erhöhte Serotoninverfügbarkeit an — und diese Anpassung ist der Grund, warum das Absetzen eigene Symptome hat. Sie bilden sich zurück, aber langsam, und bei den kurz wirksamen Vertretern beginnen sie früher und heftiger. Eine Abhängigkeit im Sinn von Verlangen und Dosissteigerung entsteht dabei nicht.
Woher es kommt
Entwickelte in den Siebzigern Zimelidin, den ersten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Es kam 1982 auf den Markt und war 1983 wieder weg. Den Nobelpreis bekam er 2000 für etwas anderes — die Rolle des Dopamins.
In Göteborg, aus einem Antihistaminikum heraus. Der Gedanke dahinter war neu: nicht mehrere Botenstoffe gleichzeitig beeinflussen, sondern gezielt einen.
Nach achtzehn Monaten. Gehäufte Fälle des Guillain-Barré-Syndroms — eine Nebenwirkung, nach der niemand gesucht hatte, weil niemand mit ihr gerechnet hatte.
Unter dem Namen Prozac. Innerhalb weniger Jahre das meistverschriebene Psychopharmakon der Welt — und der Beginn einer öffentlichen Debatte, die bis heute nicht abgeschlossen ist.
Warum das hier steht: Die Gruppe ist knapp fünfzig Jahre alt und wird von Millionen täglich genommen. Was in dieser Zeit trotzdem nicht selbstverständlich wurde: dass jemand vor einem Wochenende weiß, welchen Wirkstoff genau er nimmt und wie lange der im Körper bleibt. Genau danach fragt die Tabelle unten.
Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.
Belege
Keine Werbung, keine Konten, keine Messung — und deshalb keine anderen Einnahmen.