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substanzen / psychedelika / lysergamide / lsd

LSD

Lysergsäurediethylamid · C₂₀H₂₅N₃O
Psychedelikum Entwurf · ungeprüft

Wirkt in Mengen, die man nicht sehen kann, und hält länger an als alles andere hier. Wer um 14 Uhr nimmt, ist um Mitternacht noch nicht bei sich.

Zwölf Stunden sind kein Abend

Die Wirkdauer ist das, was LSD von den übrigen Psychedelika unterscheidet — und sie wird regelmäßig unterschätzt. Wer eine schwierige Phase hat, hat sie unter Umständen noch stunden­lang. Termine am Folgetag, ein Heimweg, eine Aufsichtspflicht: all das ist Teil der Entscheidung und nicht ein Nebenumstand. Dazu kommt: die wirksame Menge liegt im Bereich von Millionstel Gramm. Ein Papier lässt sich nicht teilen, ohne zu raten, und der Gehalt schwankt zwischen Chargen erheblich.

Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. Mengen gelten für gesunde Erwachsene ohne Vormedikation und ohne Toleranz.

Wann davon abzuraten ist

Abraten

Psychose oder bipolare Störung in der eigenen oder familiären Vorgeschichte. Das Risiko einer Auslösung ist real und bei dieser Substanz wegen der Dauer schwerer abzufangen.

Abraten

Lithium und trizyklische Antidepressiva. Aus Fallberichten sind Krampfanfälle beschrieben.

Vorsicht

Allein, an einem unbekannten Ort, mit Termindruck am Folgetag oder ohne jemand Nüchternes in Reichweite.

Vorsicht

Herzerkrankungen. Blutdruck und Puls steigen über viele Stunden.

Wirkung

körperlich und kognitiv
Körperlich
steigt
Pupillen

Sehr weit, über die gesamte Dauer. Das verlässlichste äußere Zeichen.

steigt
Herzfrequenz und Blutdruck

Mild bis mäßig, aber über viele Stunden anhaltend.

steigt
Körpertemperatur

Leicht erhöht, oft mit Schauern.

sinkt
Appetit

Über die gesamte Wirkdauer und meist noch darüber hinaus.

sinkt
Koordination

Weniger ausgeprägt als bei Dissoziativa, aber ausreichend, um Verkehr und Höhen gefährlich zu machen.

sinkt
Schlaf

Auch nach dem Abklingen. Mit der Nacht ist meist nicht mehr zu rechnen.

Kognitiv
steigt
Wahrnehmung

Verstärkt und verändert, in Wellen über Stunden. Der Verlauf ist nicht gleichmäßig — Phasen wechseln sich ab.

steigt
Gedankengeschwindigkeit

Assoziationen laufen schneller und weiter auseinander. Das ist ein Teil des Reizes und ein Teil der Überforderung.

in beide Richtungen
Zeitgefühl

Stark gedehnt, und die Schätzung, wie viel noch bevorsteht, ist regelmäßig zu kurz.

sinkt
Urteilsvermögen

Über zwölf Stunden, von denen die letzten in Erschöpfung fallen. Genau dort entstehen die Fehlentscheidungen.

Der Unterschied zu Psilocybin ist vor allem die Dauer. Zwölf Stunden sind der Umstand, an dem die meisten schwierigen Verläufe hängen — nicht die Stärke.

Dosierung

oral · ohne toleranz
Stufe Menge Erwartbar
Schwelle10–20 µgleichte Stimmungsänderung, kaum Wahrnehmung
Leicht20–75 µgFarben, Muster, gehobene Stimmung
Normal75–150 µgdeutliche Wahrnehmungsänderung, Zeitgefühl verschoben
Stark150–300 µgschwer steuerbar, Ich-Auflösung möglich
Sehr stark≥ 300 µgüberwältigend, keine Steuerung mehr

Tabelle seitlich verschiebbar →

µg, nicht mg — der Faktor zwischen Schwelle und starkem Bereich ist dreißig, und beides passt auf dasselbe Papier.

!

Der Gehalt eines Papiers lässt sich nicht ansehen. Angaben von Verkäufern sind Angaben. Ein Papier zu vierteln heißt zu hoffen, dass der Wirkstoff gleichmäßig aufgetragen wurde — und dass die Ausgangsmenge stimmte. Wer die Menge kennen will, braucht eine Laboranalyse; ein Reagenztest zeigt nur, dass überhaupt ein Lysergamid da ist, und unterscheidet LSD nicht von seinen Abwandlungen.

Wirkdauer

Anflutung
20–60 min
Peak
2–4 h
Gesamt
8–12 h
Nachwirkung
4–12 h
Anflutung 60 min Peak 4 h Einnahme 4.8 h 9.6 h 14.4 h 19.2 h

Der zeitliche Verlauf, nicht die Stärke: die Höhe ist der Anteil am eigenen Höhepunkt und hat keine Einheit. Sie stammt aus denselben vier Werten wie die Tabelle darüber — die obere Grenze jeder Spanne, also der längere der beiden Verläufe. Die Nachwirkung reicht über die Achse hinaus, bis 1 d nach der Einnahme.

Die längste Wirkdauer im ganzen Bestand. Nachlegen, weil nach einer Stunde wenig zu spüren war, ist der häufigste Weg in einen Verlauf, der nicht mehr zu steuern ist — und dieser Fehler kostet hier nicht Stunden, sondern den Rest des Tages und die Nacht.

Pharmakologie

was im Körper geschieht
Angriffspunkt

Wie Psilocin ein Teilagonist am Serotoninrezeptor 5-HT2A. Der Unterschied liegt in der Bindung: LSD bindet außergewöhnlich fest und wird vom Rezeptor regelrecht eingeschlossen — eine Schleife des Rezeptorproteins legt sich darüber. Deshalb reichen Mikrogramm statt Milligramm, und deshalb dauert es so lange: die Wirkung endet nicht, wenn die Substanz aus dem Blut verschwindet, sondern wenn sie sich vom Rezeptor löst.

Warum die Menge so klein ist

Eine wirksame Dosis liegt bei 50 bis 150 Mikrogramm — ein Tausendstel dessen, was von den meisten anderen Substanzen dieser Seite gebraucht wird. Auf einem Löschpapier ist diese Menge nicht sichtbar, nicht wägbar und nicht schätzbar. Das ist der Grund, warum es bei LSD keine Möglichkeit gibt, die Stärke am Material zu erkennen.

Aufnahme

Über die Mundschleimhaut und den Darm. Wirkbeginn 20 bis 90 Minuten, Höhepunkt nach drei bis fünf Stunden, Gesamtdauer acht bis zwölf Stunden.

Abbau

In der Leber, überwiegend über CYP-Enzyme, zu weitgehend unwirksamen Abbauprodukten. In gängigen Drogentests taucht LSD nicht auf — die Menge liegt unter dem, was Standardverfahren erfassen.

Was als LSD verkauft wird, ist regelmäßig etwas anderes. Substanzen der NBOMe-Gruppe wirken in ähnlich kleinen Mengen, sind aber deutlich giftiger und haben zu Todesfällen geführt. Ein Unterscheidungsmerkmal gibt es: NBOMe schmeckt ausgeprägt bitter, LSD schmeckt nach nichts. Das ersetzt keinen Test, ist aber der einzige Hinweis, der ohne Labor zu haben ist.

Wechselwirkungen

6 erfasst
Gefährlich

Aus Fallberichten sind Krampfanfälle beschrieben. Gilt als eine der gefährlichsten Kombinationen mit Psychedelika überhaupt. Zur Kombination →

Gefährlich

Senkt die Krampfschwelle; in Kombination steigt das Risiko eines Anfalls. Zur Kombination →

Cannabis
Vorsicht

Verstärkt unvorhersehbar und kann den Verlauf in Richtung Angst kippen lassen — bei zwölf Stunden Wirkdauer eine lange Zeit.

SSRI
Vorsicht

Dämpfen die Wirkung oft deutlich. Das Risiko liegt im Nachlegen, das daraus folgt.

MAO-Hemmer
Vorsicht

Verändern die Wirkung; Berichte gehen in beide Richtungen. Die Datenlage ist dünn.

Stimulanzien
Vorsicht

Unruhe und Herzklopfen verstärken sich; über zwölf Stunden addiert sich die Kreislaufbelastung.

Was darüber hinaus gilt

Set und Setting — warum die Umstände mitwirken

Bei manchen Klassen verschieben die Umstände den Verlauf stärker als die Menge. Bei anderen fast gar nicht. Der Unterschied ist praktisch nutzbar.

Wenn es schwierig wird — was hilft

Angst, Kontrollverlust, das Gefühl, es hört nie auf. In aller Regel vorübergehend und ohne Rettungsdienst zu bewältigen — solange man weiß, wo die Grenze zum Notfall liegt.

Toleranz und Kreuztoleranz

Toleranz baut sich ungleichmäßig auf: die erwünschte Wirkung verschwindet schneller als die gefährliche. Und ihr Verlust ist gefährlicher als ihr Aufbau.

Wenn es schwierig wird

Angst und Kontrollverlust sind vorübergehend — hier aber unter Umständen für Stunden. Was hilft:

01

Umgebung wechseln. Licht runter, Geräusche runter, frische Luft. Das dreht mehr Verläufe als alles andere.

02

Hinsetzen, langsam atmen, jemand Nüchternes daneben. Nicht diskutieren, nicht festhalten.

03

An die Dauer erinnern — und ehrlich sein: es kann noch mehrere Stunden dauern. Eine falsche Zusage kostet Vertrauen genau dann, wenn es gebraucht wird.

04

Nicht nachlegen und nichts dazunehmen, auch kein Cannabis und keinen Alkohol.

05

Bei Krampfanfall, anhaltendem Erbrechen oder Selbstgefährdung: 144 (AT) oder 112 (EU).

Toleranz

Aufbau
Sofort

Nach einer Einnahme wirkt am Folgetag auch eine deutlich höhere Menge kaum. Der Effekt ist stärker als bei den meisten anderen Substanzen und kreuzt zu Psilocybin und Meskalin.

Rückbildung
1 – 2 Wochen

Erst danach ist die Empfindlichkeit wieder hergestellt. Eine körperliche Abhängigkeit ist nicht bekannt.

Woher es kommt

Albert Hofmann 1906–2008
Chemiker · Sandoz, Basel

Stellte LSD 1938 her, legte es als wirkungslos ab und nahm fünf Jahre später versehentlich eine Spur davon auf. Drei Tage danach der Selbstversuch mit 250 µg — dem Zehnfachen einer wirksamen Menge, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass Millionstel Gramm reichen.

1938
Albert Hofmann stellt es her

Bei Sandoz in Basel, als 25. Verbindung einer Reihe von Mutterkorn-Abkömmlingen. Es fällt durch und wird archiviert.

16. April 1943
Ein Versehen

Hofmann arbeitet fünf Jahre später erneut daran und nimmt unbeabsichtigt eine winzige Menge auf. Er beschreibt einen Zustand, den er nicht zuordnen kann.

19. April 1943
Der Selbstversuch

Er nimmt 250 µg — was er für eine vorsichtige Menge hält und was das Zehnfache einer wirksamen ist. Die Heimfahrt auf dem Fahrrad wird zum bekanntesten Datum der Substanzgeschichte.

Warum das hier steht: Die berühmteste Fehleinschätzung der Pharmaziegeschichte betraf genau das, was diese Seite auf der Dosistabelle warnt: Hofmann konnte sich nicht vorstellen, dass Millionstel Gramm reichen. Er nahm das Zehnfache und hielt es für zurückhaltend.

Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.

Struktur

Strukturformel von N,N-Diethyl-6-methyl-9,10-didehydroergolin-8-carboxamid NH N O N
C₂₀H₂₅N₃O N,N-Diethyl-6-methyl-9,10-didehydroergolin-8-carboxamid

Belege

Diese Seite ist ein Entwurf und noch nicht belegt
[1][BELEG EINSETZEN — EMCDDA, LSD drug profile]
[2][BELEG EINSETZEN — Dosis-Wirkungs-Daten aus kontrollierten Studien]
[3][BELEG EINSETZEN — Fallberichte zur Kombination mit Lithium]
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