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substanzen / cannabinoide / cannabis

Cannabis

Δ⁹-Tetrahydrocannabinol · C₂₁H₃₀O₂
Cannabinoid Entwurf · ungeprüft

THC wirkt als partieller Agonist am CB₁‑Rezeptor. Weil dieselbe Menge inhaliert und gegessen völlig unterschiedlich verläuft, ist die Aufnahmeform hier wichtiger als die Menge.

Essbares ist eine andere Substanz als Rauchen — praktisch gesehen

Inhaliert wirkt es nach Minuten, gegessen nach 30 bis 120 Minuten. Genau in dieser Lücke wird nachgelegt, weil „nichts passiert“ — und dann flutet alles zusammen an. Das ist der mit Abstand häufigste Weg in eine überwältigende Erfahrung, und er betrifft fast nur Essbares.

Beschreibt Wirkungen und Risiken, empfiehlt keinen Konsum, ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Rechtslage unterscheidet sich zwischen Österreich und Deutschland erheblich.

Wann davon abzuraten ist

Abraten

Psychose oder Schizophrenie in der eigenen oder familiären Vorgeschichte. Das Risiko ist bei Beginn in der Jugend am höchsten und dosisabhängig.

Vorsicht

Angststörung, Herzerkrankung, Schwangerschaft. Und: kein Führen von Fahrzeugen — die Beeinträchtigung überdauert das subjektive Gefühl deutlich.

Wirkung

körperlich und kognitiv
Körperlich
steigt
Herzfrequenz

Deutlich in der ersten Stunde. Bei Herzvorerkrankungen ist das die relevante Größe, nicht die Psyche.

sinkt
Blutdruck beim Aufstehen

Schwindel bis zur kurzen Ohnmacht ist der häufigste harmlose Zwischenfall.

sinkt
Koordination und Reaktionszeit

Beeinträchtigt für mehrere Stunden, nach Essbarem erheblich länger.

steigt
Appetit

Verlässlich, und medizinisch genutzt.

steigt
Augenrötung und Mundtrockenheit

Harmlos, und die zuverlässigsten äußeren Zeichen.

in beide Richtungen
Übelkeit

Es wirkt gegen Übelkeit — und löst bei einem Teil der langjährig täglich Konsumierenden ein zyklisches heftiges Erbrechen aus, das nur durch Aufhören endet. Heiße Duschen lindern es; das ist ein diagnostisches Zeichen.

Kognitiv
sinkt
Kurzzeitgedächtnis

Der verlässlichste kognitive Effekt und der am besten untersuchte.

in beide Richtungen
Zeitgefühl

Meist gedehnt — Minuten fühlen sich länger an.

steigt
Angst und Misstrauen

Vor allem bei hohen Mengen, bei Essbarem und bei Ungeübten. Der mit Abstand häufigste Grund für einen schwierigen Verlauf.

sinkt
Fahrtüchtigkeit

Beeinträchtigt, auch wenn sie subjektiv besser eingeschätzt wird als unter Alkohol.

Alles hier gilt für inhalierten Konsum. Nach Essbarem sind Stärke und Dauer andere — der Grund dafür steht unter Pharmakologie und ist der wichtigste Satz dieser Seite.

Dosierung

oral (essbares) · thc-gehalt
Stufe THC oral Erwartbar
Schwelle1–2,5 mgkaum wahrnehmbar
Leicht2,5–5 mgentspannt, leichte Wahrnehmungsänderung
Normal5–15 mgdeutliche Wirkung, Zeitgefühl verändert
Stark15–30 mgschwer steuerbar, Angst möglich
Sehr stark≥ 30 mgüberwältigend, oft unangenehm

Tabelle seitlich verschiebbar →

!

Für Inhaliertes gibt es keine sinnvolle Milligramm-Tabelle. Wirkstoffgehalt, Zugtechnik und Gerät streuen zu stark. Dort gilt die einzige belastbare Regel: einen Zug, zehn Minuten warten, dann entscheiden.

Wirkdauer

Anflutung inhal.
1–10 min
Anflutung oral
30–120 min
Gesamt inhal.
2–4 h
Gesamt oral
4–10 h
0 h2 h4 h6 h8 h

Für diese Substanz stehen zwei Aufnahmeformen nebeneinander — zwei Verläufe, die sich nicht auf eine Achse legen lassen.

Die Fahrtüchtigkeit ist deutlich länger eingeschränkt, als sich die Wirkung anfühlt — nach Essbarem bis in den nächsten Tag hinein. Der Nachweis im Blut sagt dabei nichts über die tatsächliche Beeinträchtigung.

Pharmakologie

was im Körper geschieht
Angriffspunkt

THC wirkt als Teilagonist am CB1-Rezeptor, dem häufigsten Rezeptor seiner Art im Gehirn. CB1 sitzt überwiegend vor der Synapse und drosselt dort die Ausschüttung anderer Botenstoffe — er ist also kein eigener Kanal, sondern ein Regler an vielen. Daher wirkt THC auf Gedächtnis, Appetit, Schmerz, Übelkeit und Bewegung zugleich. Im Hirnstamm, wo die Atmung gesteuert wird, gibt es kaum CB1 — das ist der Grund, warum eine Überdosis Cannabis nicht auf dieselbe Weise tödlich ist wie eine Überdosis Opioide.

CBD

Bindet an CB1 kaum und dämpft die THC-Wirkung teilweise ab. Das Verhältnis der beiden im Material verändert die Erfahrung erheblich — und es ist bei gehandeltem Cannabis unbekannt.

Warum Essbares anders ist

Das ist der Punkt, an dem sich diese Seite entscheidet. Wird THC geschluckt, wandelt die Leber es beim ersten Durchgang zu einem großen Teil in 11-Hydroxy-THC um — und dieses Abbauprodukt ist selbst stark wirksam und geht leichter ins Gehirn als THC. Beim Inhalieren entsteht davon nur wenig, weil die Lunge die Leber umgeht. Essbares ist deshalb nicht dieselbe Substanz langsamer, sondern eine andere Substanz: stärker, länger, und mit einer Wartezeit, die zum Nachlegen verleitet.

Verteilung und Ausscheidung

THC ist stark fettlöslich und lagert sich im Fettgewebe ein, aus dem es über Tage bis Wochen langsam zurückströmt. Daher die langen Nachweisfenster bei täglichem Konsum — und daher der Umstand, dass ein positiver Test über die aktuelle Beeinträchtigung nichts aussagt.

Wechselwirkungen

4 erfasst
Alkohol
Vorsicht

Verstärkt sich gegenseitig. Übelkeit und Kreislaufprobleme treten häufiger auf als bei einem der beiden allein.

Psychedelika
Vorsicht

Verstärkt die Wirkung unvorhersehbar und kann sie in Richtung Angst kippen lassen — eine der häufigsten Ursachen für schwierige Verläufe.

Stimulanzien
Vorsicht

Herzfrequenz steigt stärker als bei einem der beiden allein; Angst und Herzklopfen treten häufiger auf.

Dämpfende Medikamente
Vorsicht

Sedierung addiert sich. Betrifft auch rezeptfreie Schlaf- und Allergiemittel.

Was darüber hinaus gilt

Wenn es schwierig wird — was hilft

Angst, Kontrollverlust, das Gefühl, es hört nie auf. In aller Regel vorübergehend und ohne Rettungsdienst zu bewältigen — solange man weiß, wo die Grenze zum Notfall liegt.

Set und Setting — warum die Umstände mitwirken

Bei manchen Klassen verschieben die Umstände den Verlauf stärker als die Menge. Bei anderen fast gar nicht. Der Unterschied ist praktisch nutzbar.

Toleranz und Kreuztoleranz

Toleranz baut sich ungleichmäßig auf: die erwünschte Wirkung verschwindet schneller als die gefährliche. Und ihr Verlust ist gefährlicher als ihr Aufbau.

Wenn es schwierig wird

Angst, Herzrasen, Kreislaufprobleme — unangenehm, aber selbstbegrenzend:

01

Hinsetzen oder hinlegen, Beine hoch. Der Kreislaufabfall („Grünwerden“) geht meist in Minuten vorbei.

02

Frische Luft, etwas Süßes, ruhige Umgebung. Jemanden dabeihaben, der nicht diskutiert.

03

Daran erinnern, dass es vorbeigeht — besonders nach Essbarem, wo es Stunden dauern kann.

04

Ärztliche Hilfe bei Brustschmerz, anhaltendem Erbrechen oder anhaltender Verwirrtheit.

Toleranz

Aufbau
Tage

Bei täglichem Konsum innerhalb weniger Tage deutlich. Die Wirkung lässt nach, die Beeinträchtigung von Gedächtnis und Antrieb nicht.

Rückbildung
2 – 4 Wochen

Entzugserscheinungen — Schlafstörungen, Reizbarkeit, Appetitverlust — sind real, aber nicht gefährlich. Am stärksten in der ersten Woche.

Woher es kommt

Raphael Mechoulam 1930–2023
Chemiker · Weizmann-Institut, Rehovot

Isolierte 1964 mit Yechiel Gaoni das THC und klärte seine Struktur auf. Vorher wusste niemand, welcher der über hundert Inhaltsstoffe der Pflanze eigentlich wirkt — er hat das Feld im Wortsinn erst untersuchbar gemacht.

seit Jahrtausenden
Faserpflanze zuerst

Hanf wurde für Seile und Textilien angebaut, lange bevor irgendjemand die Blüten aufschrieb.

1964
Mechoulam und Gaoni isolieren THC

Am Weizmann-Institut in Israel. Bis dahin wusste niemand, welcher der vielen Inhaltsstoffe eigentlich wirkt.

1990er
Das körpereigene System wird gefunden

Erst die Entdeckung der Cannabinoid-Rezeptoren und ihrer eigenen Botenstoffe erklärt, warum eine Pflanze überhaupt so wirken kann.

Warum das hier steht: Dass der Wirkstoff erst 1964 bekannt war, ist der Grund für eine bis heute schiefe Datenlage: Studien vor diesem Datum wissen nicht, womit sie arbeiten — und der THC-Gehalt heutiger Sorten hat mit dem damaliger wenig zu tun.

Jahreszahlen und Namen sind Angaben wie alle anderen auf dieser Seite und noch nicht belegt.

Struktur

Strukturformel von Δ⁹-Tetrahydrocannabinol O OH
C₂₁H₃₀O₂ Δ⁹-Tetrahydrocannabinol

Belege

Diese Seite ist ein Entwurf und noch nicht belegt
[1][BELEG EINSETZEN — EMCDDA, Cannabis drug profile]
[2][BELEG EINSETZEN — Psychoserisiko, Kohortenstudien]
[3][BELEG EINSETZEN — Pharmakokinetik oral vs. inhalativ]
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