Atemdepression — wenn die Atmung nachlässt
Entwurf · ungeprüftDer Weg, auf dem in diesem Feld die meisten Menschen sterben. Sie sieht nicht dramatisch aus: jemand schläft, schnarcht ungewöhnlich, und hört nach und nach auf zu atmen.
Niemand fällt dabei um. Die Person wirkt, als sei sie eingeschlafen — und wer sie schlafen lässt, hat nichts falsch gemacht außer dem Entscheidenden. Wer nach Ansprechen und kräftigem Rütteln nicht wach wird, schläft nicht. Das ist der Punkt, an dem der Notruf gewählt wird, nicht der, an dem man noch zehn Minuten wartet.
Was dabei passiert
Opioide, Alkohol, Benzodiazepine und GHB dämpfen dieselbe Stelle im Hirnstamm, die den Atemantrieb steuert. Steigt der Kohlendioxidgehalt im Blut, würde ein wacher Körper tiefer atmen — dieser Reflex wird ausgeschaltet. Die Atmung wird langsamer und flacher, der Sauerstoff sinkt, und weil das Bewusstsein zugleich gedämpft ist, merkt die betroffene Person selbst nichts davon. Das ist der Unterschied zu fast jeder anderen Vergiftung: es gibt kein Warnsignal, das nach innen geht.
Deshalb ist die Kombination mehrerer dämpfender Substanzen so viel gefährlicher als die Summe ihrer Teile. Zwei Stoffe, die jeder für sich in der genommenen Menge folgenlos geblieben wären, drücken den Atemantrieb gemeinsam unter die Schwelle. Die allermeisten tödlichen Verläufe in diesem Bereich sind Mischvergiftungen, und der zweite Stoff ist häufig Alkohol — der so selbstverständlich dabei ist, dass er in der eigenen Rechnung gar nicht vorkommt.
Woran man es sieht
Von außen, in dieser Reihenfolge:
Zwölf bis zwanzig Züge in der Minute sind normal. Unter zehn ist ein Warnzeichen, unter acht ein Notfall. Zählen dauert dreißig Sekunden und ist die einzige Beobachtung, die wirklich zählt.
Schnarchen, Röcheln oder Gurgeln bei jemandem, der sonst nicht schnarcht, heißt: die Atemwege sind teilweise verlegt. Das ist kein Schlafgeräusch, das ist ein Befund.
Bläulich oder grau heißt Sauerstoffmangel. Auf dunkler Haut zuerst an Lippen, Zahnfleisch und Nagelbett zu sehen.
Laut ansprechen, an der Schulter rütteln, mit den Knöcheln fest über das Brustbein reiben. Wer darauf nicht reagiert, ist nicht schläfrig, sondern bewusstlos.
Bei Opioiden stecknadelkopfgroß. Das ist ein Hinweis auf die beteiligte Substanz, kein Maß für die Schwere — und sein Fehlen schließt nichts aus.
Was zu tun ist
Der Reihe nach, ohne die Reihenfolge zu ändern:
Notruf. 144 in Österreich, 112 in der EU, 144 in der Schweiz. Sagen, dass jemand nicht ansprechbar ist und schlecht atmet.
Bei Verdacht auf Opioide: Naloxon, wenn vorhanden. Im Zweifel geben — bei jemandem ohne Opioide im Körper passiert praktisch nichts.
Atmet die Person normal: stabile Seitenlage, Kopf überstrecken, Mund öffnen.
Atmet sie nicht oder nur schnappend: auf den Rücken, Herzdruckmassage, bis der Rettungsdienst da ist.
Dabeibleiben und weiter zählen. Eine Atmung, die sich erholt hat, kann wieder einbrechen — besonders nach Naloxon, dessen Wirkung kürzer ist als die der meisten Opioide.
Was hilft und was nicht
Zählen statt schätzen. „Atmet noch“ ist keine Beobachtung.
Früh anrufen. Der Rettungsdienst kommt lieber umsonst.
Sagen, was genommen wurde — das entscheidet über die Behandlung und wird nicht zur Anzeige gebracht.
Bei der Person bleiben, auch wenn es besser wird.
Kalte Dusche, Kaffee, Herumlaufen. Nichts davon erreicht den Atemantrieb, und alles davon kostet Zeit.
„Ausschlafen lassen“ — die häufigste tödliche Entscheidung in diesem Feld.
Auf den Rücken legen und allein lassen. Erbrochenes läuft dann in die Lunge.
Warten, bis es eindeutig ist. Eindeutig wird es erst, wenn es zu spät ist.
Weiterlesen
Wie die Seitenlage geht und wann sie falsch ist, steht ausführlich im Wissensteil; Naloxon hat eine eigene Seite.
Belege
Keine Werbung, keine Konten, keine Messung — und deshalb keine anderen Einnahmen.