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Toleranz und Kreuztoleranz

Entwurf · ungeprüft

Toleranz baut sich ungleichmäßig auf: die erwünschte Wirkung verschwindet schneller als die gefährliche. Und ihr Verlust ist gefährlicher als ihr Aufbau.

Nach einer Pause ist die gewohnte Menge nicht mehr die gewohnte Menge

Toleranz bildet sich schneller zurück, als sie entstanden ist. Wer nach Wochen ohne wieder bei der alten Menge einsteigt, nimmt eine Überdosis. Bei Opioiden ist das der häufigste Weg in einen tödlichen Verlauf überhaupt — nach Haft, Entzug oder Klinikaufenthalt.

Drei verschiedene Dinge heißen Toleranz

Sie entstehen unterschiedlich, verschwinden unterschiedlich schnell und schützen unterschiedlich gut.

Der Rezeptor passt sich an

Die Zellen reagieren auf dauernde Reizung, indem sie Empfindlichkeit oder Rezeptorzahl herunterfahren. Das ist die Form, die am längsten braucht, um sich zurückzubilden.

Der Abbau beschleunigt sich

Die Leber baut mehr Enzym auf und wird schneller. Das erklärt, warum Rauchen den Koffeinabbau etwa halbiert — und warum dieselbe Menge nach dem Aufhören stärker wirkt.

Der Körper lernt zu kompensieren

Ein großer Teil der Toleranz ist gelernt und an die Umgebung gebunden. In vertrauter Umgebung bereitet sich der Körper auf das vor, was gleich kommt. In ungewohnter Umgebung fehlt diese Vorbereitung, und dieselbe Menge wirkt stärker. Das ist einer der Gründe, warum Überdosen überproportional oft an ungewohnten Orten passieren.

Kreuztoleranz

Innerhalb einer Wirkstoffklasse überträgt sich Toleranz. Wer an Alkohol gewöhnt ist, reagiert auch auf Benzodiazepine anders; nach einem Psychedelikum wirkt am Folgetag auch ein anderes kaum. Zwischen Klassen gilt das nicht.

Der gefährliche Teil: sie ist ungleichmäßig

Toleranz entsteht nicht für „die Wirkung“, sondern getrennt für jede einzelne. Und fast immer verschwindet die erwünschte zuerst. Bei Opioiden lässt die Euphorie deutlich schneller nach als die Dämpfung des Atemantriebs — der Abstand zwischen der gewohnten und der tödlichen Menge schrumpft also mit jedem Mal. Bei Stimulanzien lässt die weckende Wirkung nach, während die Belastung für Herz und Kreislauf bleibt. In beiden Fällen führt das Nachjustieren nach dem Gefühl systematisch in die falsche Richtung.

Was daraus folgt

Praktisch
+

Nach jeder Pause neu und niedrig ansetzen — nicht dort, wo man aufgehört hat.

+

An einem ungewohnten Ort weniger, nicht gleich viel.

+

Abstände einhalten, wo sie empfohlen werden. Sie kommen aus der Pharmakologie, nicht aus Vorsicht.

+

Steigende Mengen sind das Signal, an dem etwas kippt — nicht der Beweis, dass man es verträgt.

Missverständnisse

„Ich vertrage viel“ heißt nicht, dass die Organbelastung geringer ist. Sie ist es nicht.

Toleranz schützt nicht vor Atemdepression, nicht vor Überhitzung und nicht vor der Blase.

Bei Depressiva gilt zusätzlich: der Entzug wird mit der Zeit gefährlicher, nicht harmloser.

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Wie sich Toleranz je Substanz konkret verhält, steht in der Zeile „Toleranz“ auf der jeweiligen Seite.

Opioide Stimulanzien Psychedelika

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